Neumacher fragen nicht um Erlaubnis, sie tragen die Verantwortung

Gepostet von am 20 Sep 2017

Neumacher fragen nicht um Erlaubnis, sie tragen die Verantwortung

 

Frag nicht um Erlaubnis, sondern übernimm Verantwortung für deine Ideen!

 

 

 

Eine brilliante Idee, die abgelehnt wird

 

„Und, wie war’s?“ frage ich meinen Kollegen Christoph. Er sieht erschöpft und ein bisschen traurig aus, als ich ihn an der Kaffeemaschine treffe. Gerade hatte er eine Besprechung mit seiner Abteilungsleiterin und dem Geschäftsführer. Er hatte sich sehr gut darauf vorbereitet, weil er ihnen nämlich etwas Neues vorgeschlagen hatte, von dem er sehr überzeugt war.

 

„Na ja“, sagt er achselzuckend, „einen Versuch war es wert.“ Er stellt seine Tasse etwas zu heftig auf die Ablage und drückt stoisch auf die Taste „doppelter Espresso“.

 

Ich lasse nicht locker und zwinge ihn, mich anzusehen. „Los, sag schon, was ist passiert?“ Er lotst mich in die hintere Ecke des Raumes und weist mich an, Platz zu nehmen. Nach einem Schluck Kaffee und einem tiefen Schnaufer, beginnt er schließlich: „Ich war sehr gut und habe meine Präsentation flüssig und sicher gemacht. Auch die Ausarbeitung war prima, das haben sie mir danach sogar bestätigt.“

 

„Aber?“ frage ich ungeduldig.

 

„Aber“, fährt er fort, „sie haben Nein gesagt.“

 

„Wie, sie haben Nein gesagt? Wie kann das sein? Du hast doch super Argumente für deinen Plan, dein Team steht hinter dir, du hast Fürsprecher und auch der Nutzen für die Kunden ist ziemlich groß. Das kapiere ich nicht!“

 

„Sie wollen es halt einfach nicht haben. Ich glaube, dass meine Chefin Angst hat, dass sie dabei als Verliererin dasteht. Und der Geschäftsführer sagte zwar, er steht dahinter, überließ aber ihr die Entscheidung. Das war’s dann wohl mit dem schönen Projekt. Jetzt muss ich das meinen Mitarbeitern beibringen. Die hatten sich schon so darauf gefreut.“

 

Ich nicke, finde ein paar tröstende Worte und finde es sehr schade, dass er aufgibt. Er hatte wirklich ein Thema gefunden, das das Potenzial hatte, die gesamte Zusammenarbeit auf eine neue Ebene zu stellen. Es war nicht leicht, aber es lohnte sich, es auszuprobieren.

 

Weil ich selbst genug zu tun hatte, dachte ich bald nicht mehr über das Thema nach. Aber jedes Mal, wenn ich Christoph sah, fiel es mir wieder ein. Und ich war selbst sehr enttäuscht, dass es nicht geklappt hat.

 

Aber warum hat es eigentlich nicht geklappt?

 

Jetzt, mit einem längeren zeitlichen Abstand, ist mir klar geworden, was der Grund dafür sein könnte, warum viele gute Ideen nicht realisiert werden. Es liegt an der Verantwortung.

 

Warum trägt man denn seine Idee überhaupt den Vorgesetzten vor? Warum feilt man tagelang an Argumenten, Formulierungen, Charts und Berechnungen? Warum braucht man so lange, bis man mit seiner Idee zufrieden ist?

 

Weil man nicht sicher ist, ob sie gut ist!

 

Man will, dass jemand sagt: „Wow, was für eine klasse Idee. Bitte, realisiere Sie auf jeden Fall. Und wenn es schief geht, trage ich die volle Verantwortung dafür!“

 

Das passiert nicht? Eben!

 

Natürlich trägt niemand gerne Verantwortung für etwas, das jemand anders versemmelt. Also ist es auch nicht fair, das von jemandem zu verlangen, oder?

 

Wenn man jemand anderen braucht, um die Verantwortung zu tragen, dann ist man selbst nicht dazu bereit! Das heißt, man glaubt selbst nicht so richtig an die Idee.

 

Übernimmst du die Verantwortung?

 

Die wichtigste Frage, die du dir also stellen kannst, um zu prüfen, wie gut eine Idee ist lautet:

 

„Bin ich bereit, die Verantwortung zu tragen, auch wenn ich scheitere?“

 

Wenn die Antwort darauf ein klar und deutliches JA ist, dann glaubst du voll und ganz an deine Idee.

 

Antwortest du aber mit: „Na ja, so sicher bin ich mir nicht, und mir wär’s recht, wenn sich jemand mit einbringt“,

 

dann geh deine Idee nochmals durch. Du scheinst noch nicht davon überzeugt zu sein.

 

Raus aus dem Dilemma: Ideen verdaulicher machen

 

Es kann passieren, dass du, trotz sorgfältiger Ausarbeitung, nicht dazu bereit bist, JA zu deiner Idee zu sagen. Das heißt aber nicht gleich, dass sie schlecht ist. Solange du von der Notwendigkeit der Idee überzeugt bist, lohnt es sich, dranzubleiben.

 

Damit es dir leichter fällt, Verantwortung zu übernehmen, mach die Idee ein bisschen „verdaulicher“. Das heißt, suche einen Weg, wie du sie übersichtlich und einfach testen kannst. Breche sie so weit herunter, bis du selbst ohne Bauchgrummeln die volle Verantwortung übernehmen kannst.

 

Neumacher fragen nicht um Erlaubnis, sie uebernehmen Verantwortung

 

Und dann leg los und setze sie um!

 

Wenn das alleine geht, gibt’s keinen Grund zu warten. Wenn du andere dazu brauchst, vereinbarst du idealer Weise mit den Beteiligten, dass ihr ein Experiment macht. Das kann z.B. 4 Wochen dauern oder einen Tag oder ein Vierteljahr. Das ist abhängig von der Art des Vorhabens. Setzt es so auf, dass es übersichtlich bleibt und ihr nicht zu viel zusätzliche Arbeit habt. Und stellt sicher, dass ihr die Ergebnisse festhaltet.

 

Eine Genehmigung einzuholen, empfehle ich übrigens nicht. Wenn du sicher gehen willst, teilst du deinem/deiner Vorgesetzten mit, dass ihr das macht und dass du die Verantwortung dafür trägst. Wenn es ein Experiment ist, das ohne diese Ankündigung funktioniert, dann lass es.

 

„Don’t ask for approval – ask for foregiveness!“ Neumacher fragen nicht um Erlaubnis, sie machen. Klick um zu Tweeten

 

Erzähle erst davon, wenn du klare Ergebnisse hast. Idealer Weise sind die Ergebnisse so positiv, dass das Experiment gelungen ist oder auf die nächste Stufe gehoben werden kann. Aber auch wenn das Ganze nicht so gut lief, ist es sinnvoll, darüber zu sprechen. Man kann daraus lernen und eventuell einen zweiten Versuch starten. Oder du sagst: „Hey, wir haben es probiert, aber es hat sich nicht bewährt!“

 

Das ist so viel mehr als einfach nur über was Neues zu reden! Das ist echtes Tun!

 

Denn: nur, wer es versucht, kann mitreden

-weiß deine Kommplizin Gaby Feile

 

PS: Kleine Taten, die man ausführt, sind besser als große, die man plant (George Marshall).  

 

Über die Kommplizin:

Gaby Feile probiert Dinge gerne aus und sagt: „Nicht um Erlaubnis fragen, sondern um Vergebung bitten.“ Und sie ermuntert ihre Kommplizen dazu, das auch zu tun.

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