Aus Ideen Ergebnisse machen: das kann dauern!

Gepostet von am 21 Jul 2017

Aus Ideen Ergebnisse machen: das kann dauern!

Aus der Reihe: Wie man Ideen umsetzt

 

Wenn Ergebnisse auf sich warten lassen

 

 

 

I want you!

 

The Voice Of Germany setzte neue Standards als die Castingshow 2011 erstmalig im Fernsehen lief. Anders als sonst traten die Kandidaten in den Blind Auditions auf: sie sangen live auf der Bühne vor einem großen Publikum, während die Jury mit dem Rücken zu ihnen saß.

 

Nur wer mit der Stimme überzeugte, hatte die Chance, in die zweite Runde zu kommen. Und zwar dann, wenn mindestens eine/r der Juroren den Buzzer betätigte und damit den Stuhl zum Umdrehen zwang. Für die Zuschauer war das eine große Gaudi, für die Jury oft eine große Überraschung.

 

Wer übrigens nicht nur die Ohren der Jury überzeugte, sondern auch ihre Herzen gewann (Stichwort: Gänsehaut), war einen großen Schritt weiter. Und konnte sich manchmal sogar seinen/ihren Coach aussuchen, weil mehrere sagten: „I want you!“

 

Abkupfern darf man

 

Genau diesen Ablauf hatten meine Kollegin und ich im Kopf, als wir unsere Idee – relativ spontan – der Geschäftsführung vorstellten. Es ging mal wieder darum ein so genanntes „Off-Site“ zu organisieren. Diese waren in den Jahren vorher immer so abgelaufen, dass alle Führungskräfte eingeladen wurden, gemeinsam wegfuhren, jeder eine Präsentation machen musste und dann eine Strategie fürs kommende Jahr diskutiert wurde. Was jedes Off-Site gemeinsam hatte: so richtig lustig waren sie nie und so richtig was raus kam auch nie.

 

Also schlugen wir vor, ein Casting zu machen, um die Plätze beim nächsten Off-Site mit denjenigen zu besetzen, die wirklich etwas bewegen wollten und gute Ideen mitbrachten. Um zu vermeiden, dass man wieder diejenigen nimmt, die in entsprechenden Positionen sind oder die man mag, wurde das Ganze blind, also anonym, veranstaltet. Wir hatten das Konzept weitestgehend im Kopf und konnten auch mit Fakten überzeugen: das Budget für das Off-Site war da, und das Risiko war gering, weil in den Jahren vorher ja nicht viel dabei rumkam.

 

Und so lief das ab

 

Gemeinsam mit der Geschäftsführung formulierten wir eine Aufgabe, die alle Teilnehmer schriftlich „bewältigen“ sollten. Sie schickten einen Bogen mit ihren Antworten per E-Mail an eine neutrale Adresse, die nur ich, als Vertreterin der Personalabteilung, öffnen konnte. Jeder Bogen erhielt eine Nummer und ich führte eine Liste, welche Nummer zu wessen Bogen gehörte.

 

Die Aufgabe, die wir stellten, lautete:

„Stell dir vor, du bist Geschäftsführer unseres Unternehmens. Was tust du, um es in unserer Branche zum besten Unternehmen in Europa und zum begehrtesten Arbeitgeber zu machen?“

 

Es ging los!

 

Nachdem auf die Schnelle ein Logo entstand und der Name der Aktion feststand: Expedition Zwanzig-Vierzehn, informierten wir über diverse Kanäle alle Mitarbeiter an allen Standorten und riefen zum Mitmachen auf. Wie erwartet waren die Reaktionen mannigfaltig, und es gingen fast täglich Teilnahmebögen ein. Rund 35 MitarbeiterInnen nahmen teil, das war ganz schön viel für eine Gesamtzahl von damals rund 120. Man merkte also, die Leute wollten etwas anpacken!

 

Am Ende der Frist gingen die Bögen anonym an die beiden Geschäftsführer, die sich die Zeit nahmen, alle in Ruhe durchzulesen. So viel kann ich verraten: die Bandbreite war riesig. Einige nutzten die Chance, um sich mal richtig auszukotzen, andere formulierten hochkarätige Ansprachen und teilten außergewöhnliche Ideen. Die meisten Bögen waren solide.

 

Das Finale

 

Die Geschäftsführung hatte sich für 8 Personen entschieden, und bei der Weihnachtsfeier wurden die Teilnehmer verkündet. Das lief so ab: einer der Geschäftsführer rief eine Nummer auf und ich verkündete, nach Blick auf die Liste, den passenden Namen.

 

Der Jubel war groß, als die Expeditions-Teilnehmer gemeinsam vor ihren Kollegen standen. Sie waren gespannt und aufgeregt und das durften sie auch sein! Denn der Preis konnte sich sehen lassen: zusammen mit der Geschäftsführung nahmen sie sich einen halben Tag Auszeit in einer sehr inspirierenden Umgebung und diskutierten das, was sie in ihren Bögen angegeben hatten.

 

Der Wermutstropfen

 

Ehrlicher Weise muss ich sagen, dass die ganze Aktion nicht ganz so erfolgreich war, wie sie hätte sein können – in meinen Augen. Nicht nur, dass die tatsächliche Expedition nur rund 500 Meter vom Büro entfernt stattfand (also der Faktor Exklusivität fehlte), auch, dass keinerlei Ergebnisse nach außen drangen und sich danach nicht wirklich was veränderte, hat die Euphorie ziemlich geschmälert.

 

Meine Kollegin und ich waren sehr enttäuscht darüber – und auch viele andere Mitarbeiter. Man hätte wirklich mehr daraus machen können. Wir beide als Ideengeberinnen hatten übrigens auch mitgemacht, wurden aber nicht ausgewählt.

 

Es kann noch besser werden – und es wurde besser

 

Trotz dieses nicht ganz optimalen Starts (oder gerade deswegen) wollte die Geschäftsführung die Expedition im folgenden Jahr wiederholen. Wir hatten alle etwas aus der ersten Runde gelernt und formulierten die Aufgabe nun konkreter.

 

Außerdem gaben wir bekannt, dass das Expeditionsteam rund 1,5 Tage in einem Hotel in schöner Umgebung verbringen und dort an den Themen arbeiten wird. Das brachte die bisher fehlende Besonderheit ins Spiel. Wir erhielten im zweiten Jahr zwar nicht ganz so viele Bewerbungen, aber immer noch genügend, um auswählen zu können.

 

Geduld ist eine Tugend

 

Vier Mal hat die Expedition seither stattgefunden – mit unterschiedlichen Aufgaben und unterschiedlichen Teams.

 

Und sage und schreibe erst im vierten Jahr kam ein kleiner Durchbruch. Weil das Thema sich dieses Mal um die Attraktivität als Arbeitgeber drehte, kamen die Teilnehmer mit noch konkreteren und teilweise leicht machbaren Ideen. Und die Geschäftsführung (zumindest Teile davon), war schließlich überzeugt: wir müssen endlich aktiv werden.

 

Kurzum wurde ein Ziel ausgegeben. Sinngemäß geht es darum, aktiv dazu beizutragen und die Mitarbeiter mit einzubeziehen, das Unternehmen zu einem modernen Arbeitgeber zu machen.

 

Es sind schon einige neue Dinge in der Mache, wie man mir erzählt hat. Ob diese die richtigen sind, wird sich zeigen. Die Tatsache, dass Worten Taten folgen, die kann und muss man positiv hervorheben!

 

 

Ideen zu Ergebnissen machen

 

Was ich gelernt habe

 

Man kann nicht davon ausgehen, dass alle Menschen im gleichen Tempo denken und handeln. Es kann Jahre dauern bis das, was man selbst als kurzfristiges Ziel sieht, auch von anderen wahrgenommen wird. Und bis man aus Ideen Ergebnisse machen kann. Die Gründe dafür sind vielfältig.

 

Dennoch war es sehr wichtig, dass wir zwei damals die Idee laut ausgesprochen und mit umgesetzt haben. Es war die Initialzündung, der Funke, der zu einer größeren Flamme wurde. Auch wenn es noch etwas dauern kann, bis daraus ein loderndes Feuer wird, das nicht mehr ausgeht, ohne den ersten Funken wäre das alles nicht passiert.

 

Und welchen Funken zündest du als nächstes?

 

– will deine Kommplizin Gaby Feile wissen

 

Über die Kommplizin:

Gaby Feile hat ein Gespür für Menschen, Ideen und Entwicklungen – und ist meistens früher dran als andere. Das heißt: sie wartet viel. Im Klub der Kommplizen dauert es zum Glück nicht immer ganz so lange.

Mehr über Gaby Feile

 

Auch interessant:

Echte Wertschätzung passiert nicht auf Facebook
Die Zukunft der Arbeit - wie sieht diese aus?
Mythos Führungstraining

Sag was dazu:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.