Alles, außer Hochdeutsch – auch in Hongkong

Gepostet von am 23 Sep 2017

Alles, außer Hochdeutsch – auch in Hongkong

 

 

Alles, außer Hochdeutsch

Wie ich in Hongkong mit meinem Dialekt überzeugte

 

 

 

Kurze Zeit, nachdem Hongkong von den Briten an China zurückgegeben wurde, verbrachte ich 1 Jahr in dieser exotischen Stadt. Ich war in jungen Jahren bei einer großen deutschen Bank tätig und wurde als Expat entsandt, um vermögende Privatkunden zu beraten.

 

Meine Vorgängerin arbeitete mich in den ersten Wochen ein und machte Termine mit vielen Kunden, um mich vorzustellen. Ach, wie freute ich mich, als mir in einem Termin eine Dame aus meiner baden-württembergischen Heimat gegenüber saß. Sie war zwar schon sehr lange in Hongkong, aber ihr Dialekt war für mich deutlich zu hören. Und tatsächlich: es stellte sich heraus, dass ihre Heimatstadt nur rund 30 Kilometer von meiner entfernt lag, im selben Landkreis.

 

Ich hatte damals noch ein bisschen Heimweh und sagte im Gespräch, dass es mich sehr freue, ein bisschen schwäbisch schwätza zu können. Der Kundin ging es genau so. Nur meine Kollegin war nicht so zufrieden damit. Sie sprach reinstes Hochdeutsch und nahm mich nach dem Gespräch zur Seite.

 

Ohne Vorwarnung warf sie mir an den Kopf:

„Also das ist ja so was von unprofessionell, wie du mit der Kundin umgegangen bist. Wie kannst du nur mit ihr Dialekt sprechen?“

 

Ich, damals mit 24 rund 10 Jahre jünger als meine Kollegin, war ins Mark getroffen. Und ich fühlte mich wie eine dumme Landpomeranze. Und das, obwohl ich mit ihr und mit allen Nicht-Schwaben immer gutes Hochdeutsch sprach, das also sehr wohl konnte. Für mich war das eher ein Zeichen von Kundenorientierung, wenn ich mich auf die Sprechweise des Gesprächspartners einlassen konnte.

 

Es geht auch anders

 

Rund 10 Tage später hatte ich mit eben jener Kollegin und einer anderen Deutschen einen Termin beim German Speaking Ladies Club. Wir waren eingeladen, um über Vermögensanlagen zu sprechen – vor rund 150 Damen, die alle potenzielle Kundinnen waren. Meine beiden Kolleginnen sprachen über Aktien und Renten und ich übernahm den Bereich Wertpapierfonds. Dafür, dass ich noch nie einen Vortrag vor so vielen Leuten gehalten hatte, machte ich das richtig gut. Der Applaus bezeugte das und auch die Kommentare der Damen, die ich später erhielt.

 

Ich war, aufgrund der Erfahrung mit meiner Kollegin, sehr verunsichert und antwortete den Damen immer sehr bescheiden: „Sie haben bestimmt meinen Akzent gehört und wissen jetzt, woher ich komme!“

 

Und weißt du, was die Antwort war: „Sie haben verständlicher und unterhaltsamer gesprochen als Ihre beiden Kolleginnen. Und Ihr Akzent, den man kaum hört, macht das Ganze noch charmanter.“

 

Damit war das Drama für mich zum Glück „aufgearbeitet“.

 

Es hat mir nicht geschadet

 

Ich habe danach im Laufe meiner Tätigkeit in Honkong regelmäßige Workshops veranstaltet, in denen ich Frauen die Börse erklärte – ganz praktisch und bei Kaffee und Kuchen. In deutsch und englisch – und alles zusätzlich zu meiner „normalen“ Arbeit und außerhalb der Arbeitszeiten. Von Verständnisschwierigkeiten oder Unprofessionalität habe ich nie wieder etwas gehört. Dafür habe ich damit für die Bank neue Kunden (oder wie wir sagten: neues Geld) gewonnen.

 

Feedback, das lernte ich dadurch, sollte man nie ungefragt geben – und auch nie persönlich nehmen, wenn es negativ ist

 

-weiß deine Kommplizin Gaby Feile jetzt

 

PS: Meine Kollegin wurde übrigens von Hongkong nach Stuttgart versetzt…

 

Über die Kommplizin:

Gaby Feile war schon in jungen Jahren eine Neumacherin, die Dinge durchgezogen hat. Das fühlt sich rückblickend toll an, sagt sie heute.

Mehr über Gaby Feile und ihren ungewöhnlichen Werdegang

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